
Ein Gewächshaus im Halbschatten?
Warum das für eine Blumengärtnerin viel Sinn macht!
Wer sich jahrelang durch Bücher und Fotografien englischer Gärten geträumt hat, kommt irgendwann an einen Punkt, an dem der Wunsch nach einem eigenen Gewächshaus kaum noch zu ignorieren ist. Bei mir war das nicht anders. Nur stand diesem Traum von Anfang an eine handfeste Frage im Weg: Was soll ein Gewächshaus in einem Garten, der die Hälfte des Tages im Schatten liegt?
Gewächshäuser sind keine kleinen Anschaffungen – erst recht nicht, wenn sie auch noch schön sein sollen. Die klassischen englischen Modelle, nach denen ich mich insgeheim gesehnt hatte, lagen preislich weit jenseits dessen, was ich bereit war auszugeben. Also suchte ich weiter und wurde bei einem schwedischen Hersteller fündig: einen Glasaufsatz, der das Herzstück meines Gewächshauses werden sollte (er ist leider nicht mehr erhältlich). Der eigentlich kostspielige Teil war jedoch ein anderer – das Fundament und die Mauer, auf der der Aufsatz ruhen sollte. Damit das Neue zum Alten passte, wurden Steine gewählt, die der bestehenden Gartenmauer möglichst nahekamen. Ein Maurermeister übernahm die Arbeit.
Den einzig möglichen Standort im Garten beschatten die Rotbuchen von Ende Mai bis Oktober fast vollständig. Was ich zunächst für einen Nachteil hielt, entpuppte sich mit der Zeit als echter Glücksfall: Als Blumengärtnerin ist das Gewächshaus vor allem in den Monaten September bis Mai mein Arbeitsort. Den Schatten im Sommer nehme ich längst dankbar an.

Von November bis März übernimmt eine kleine, stromsparende Heizung die Frostabsicherung. Ein Thermometer zeigt mir den aktuellen Stand, und sobald die Temperaturen unter null zu fallen drohen, springt die Heizung automatisch an. Bei gerade einmal zehn Quadratmetern Grundfläche bleibt der Energieverbrauch überschaubar – ein echter Vorteil der kompakten Größe. Auch der Standort hilft: Hamburg kennt strenge Dauerfröste kaum. Und von Oktober bis in den Mai hinein heizt die Sonne das Gewächshaus so verlässlich auf, dass ich eher ans Lüften denken muss als ans Heizen. Im März kann es hier schon fast sommerlich werden – für empfindliche Frühlingspflanzen wie Ranunkeln ist das alles andere als willkommen.
Vielleicht fragt ihr euch, wofür ich den Raum eigentlich nutze. Ich habe einmal alles aufgeschrieben – Monat für Monat, vom Januar bis in den Dezember. Vielleicht ist das eine Anregung für euch. Mein Fazit vorab: Ein Gewächshaus zu haben, war eine der besten Entscheidungen meines Gärtnerlebens. Es ist schlicht mein liebster Ort geworden.

**Januar **
Stille im Gewächshaus. Zitronenbaum und Kumquat überwintern hier, bekommen gelegentlich etwas Wasser – und ich sitze derweil drinnen am Tisch und blättere durch Saatgutkataloge, auf der Suche nach neuen Sorten für die kommende Saison.
**Februar**
Ich beginne damit Cool Flowers auszusäen und lege Ranunkeln sowie Anemonen in erdgefüllte Schalen zum Vorquellen. Ein stabiler Pflanztisch ist dabei unverzichtbar.
**März**
Langsam nimmt die Saison Fahrt auf. Die ersten nicht winterharten Einjährigen ziehen in Multitopfplatten ein. Und gegen Ende des Monats ist es so weit: Ein Teil der Dahlien bekommt große Töpfe – ohne Grün dürfen sie noch schattig und ruhig am Boden warten.
**April**
Das Gewächshaus füllt sich. Mehr Sommerblumen kommen in Multitopfplatten, Ranunkeln, Anemonen und Dahlien werden regelmäßig gewässert. Wer jetzt ins Freiland darf? Anemonen und Ranunkeln – leichte Fröste können ihnen nichts anhaben.
**Mai**
Nach und nach verlassen alle Pflanzen das Gewächshaus. Ab Mitte Mai werden auch die einjährigen Sommerblumen und Dahlien ausgepflanzt. Ende des Monats schließt sich das Blätterdach der Rotbuchen, das Gewächshaus wird schattiger – und bekommt eine gründliche Grundreinigung.
**Juni bis August**
In den Sommermonaten wird das Gewächshaus zum Atelier. Auf einem großen Holztisch arrangiere ich Sträuße, fotografiere meine Blumen im wunderbaren Morgenlicht, das durch das Laubdach fällt. Die kühle, schattige Luft – bei guter Lüftung – ist außerdem ideal, um frisch geschnittene Blumen zwischenzulagern.
**September**
Die Saison beginnt von vorn. Cool Flowers und ein Teil der Anemonen werden wieder in Multitopfplatten ausgesät. Das gedämpfte Licht unter den Buchen stört die Keimung nicht.
**Oktober und November**
Amarylliszwiebeln werden eingetopft und warten dann drinnen auf ihren großen Auftritt. Die vorgezogenen Anemonen und Cool Flowers kommen ins Beet, die letzten Herbststräuße entstehen.
**Dezember**
Den Adventskranz binde ich hier – inmitten von Zweigen, Moos und Stille. Danach steht eine Grundreinigung an, auch das Gartenwerkzeug kommt dran. Die Heizung wird auf Frostschutz eingestellt, Kumquat und Zitrone bekommen ihr letztes Wasser des Jahres. Und dann ist Pause. Weihnachten ist Gartenpause – auch für mich.

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